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Berlin München Berlin 2021 ein Fahrbericht

Über ein großartiges Event mit neuen Erfahrungen von Frank Hansen

Wahnsinn, Überforderung, Sitzcreme, erholsames Übernachten, Geschichte, Glück,

dass sind so meine Stichworte der Tour. Man muss wahnsinnig sein. Die Strecke ist ein Arschloch, aber es wird besser. Nach PBP 2011,2015 und 2019 und LEL 2013 sollte in 2021 im Inland eine große Tour (Superbrevet) in Angriff genommen werden. Die sympathische Homepage von Ben Urbanke und seiner Crew, die geschichtsträchtige Strecke in einer Gegend, die ich sehr mag und in Teilen auch kenne, waren Grund genug sich anzumelden. Das Zeitfenster von 128 Stunden bei 1.500 km Streckenlänge und ca. 11.000 Höhenmeter sah nicht nach Hetzerei aus und sollte die schmalen Kontrollpunkte und das aufgrund der kleinen Teilnehmerzahl zu erwartende Alleinfahren möglich machen. Nach dem Okay meiner Frau meldete ich mich im Herbst 2020 an und bereitete mich mit 5.500 km in 2021, kaum hügeligen Trainingsstrecken und nur 4 Strecken oberhalb von 200 km eher schmal vor.
Für die Zukunft und Dritte: Besser sind 8.000 km, mehr Bergtraining und eher 10 lange Touren. Anders als sonst mit Familie konnte ich meinen Freund Hans Jürgen motivieren mich mit Auto zu begleiten. Erst überlegte er noch tagelang eine Strecke zu fahren, dann entschied er sich mich mit Auto zu unterstützen. Am Vortag reisten wir nach Berlin an und am 29.7.21 startete ich mit 120 Fahrern (Hälfte one way nur nach München) am Olympiastadion morgens um 8 Uhr. Übernachtungsplan war offen, daher bat ich Hans Jürgen erst am 30.07.2021 mir zu folgen.

Der Plan:

START Berlin Olympiastadion - Do. ab 8 Uhr
K1. Leipzig (ca. 200 km) - Do. 14 Uhr bis 18 Uhr 21 Uhr - BMB-Verpflegungswagen
K2. Waldershof (ca. 425 km) - Do. 21 Uhr bis Fr. 14 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche, Bag-Drop
K3. Regensburg (ca. 575 km) - Fr. 8 Uhr bis Fr. 22 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
K4. München (ca. 710 km) - Fr. 16 Uhr bis Sa. 24 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Rückgabe des Bag-Drop für One-Way Teilnehmer*innen
K5. Regensburg (ca. 840 km) - Fr. 22 Uhr bis Sa. 22 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
K6. Waldershof (ca. 1.000 km) - Sa. 8 Uhr bis So. 12 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche, Bag-Drop
K7. Dresden (ca. 1.250 km) - So. 8 Uhr bis Mo. 8 Uhr - Verpflegung, Schlafmöglichkeit (Powernap), Dusche
K8. Lutherstadt Wittenberg (ca. 1.400 km) - So. 14 Uhr bis Di. 6 Uhr - Freie Kontrolle (24 Stunden Tankstelle)
FINISH Berlin - So. 18 Uhr bis Di. 16 Uhr
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Handballen noch taub, Rest okay

aufgeschrieben am 15.08.2021
Es ging dann erstmal in großen Gruppen gegen 4 Windstärken Richtung Leipzig.Am Anfang im Grunewald bekam ich den entscheidenden Tipp: „Frank, ich schmiere die Sitzcreme alle 100 km konsequent auf die Nähte der jeweilige Hose, Tipp von der Gewinnerin des Transcontinental Races“. Ich bin der jungen Frau dankbar, so machte ich es mit der Assossitzcreme und hatte erst Probleme auf den letzten 100 km. In ewiger Dankbarkeit…..Etwa 170 der 200 km konnte ich in der Gruppe so Kraft sparen und auch die herrliche und einmalige Zufahrt nach Leipzig schon ab dem Zeitpunkt sehr geniessen, wo man das MDR Hochhaus sieht.Kontrollpunkt und Beginn der Vegan-Verpflegung war beim Völkerschlachtdenkmal.
Laune top!!!

Ich fuhr ab Leipzig mit einzelnen Teilnehmern weiter mit dem Ziel Marktredewitz/Waldershof, Kilometer 425. Wie ich mich selber verflucht habe an dieser Stelle, lass ich mal weg…..
Über Gera, Zeitz, Plauen ging es durchs Vogtland Richtung Hof mit 15 Anstiegen (laut Garmin). An einem Tag von Berlin, durch Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Bayern flascht einen und man ist durch die Hügel und die Streckenlänge in der Härte der Tour angekommen, etwas wie Hammer auf den Schädel wirkt und auch notwendig ist, um die Herausforderung anzunehmen.

Dort in Waldershof kam ich am 30.7.21 morgen um 7.15 Uhr an, bat die Crew um Radcheck da die Schaltung rummuckte, ging Duschen und schlief knapp über eine Stunde auf einer Isomatte. „Ja lieber Frank, du solltest beide Schaltzüge wechseln, wir haben hier nichts, aber die reissen bald.“ So wurde ich nett gegen 10 Uhr begrüßt und die nächsten 2 Stunden bis zum ersten 15-minütigen Treffen mit Hans Jürgen verbrachte ich in einer Cubewerkstatt am Ort. Alles wieder fit, ging es um die Mittagszeit weiter. Hans Jürgen und ichverabredeten ein Treffen nach weiteren 160 km in Regensburg, wo ich dann „vernünftig“ übernachten wollte. Um 21 Uhr gings zum Abendbrot zum Griechen.
Nach dem Griechen haben wir dann noch fast bis 1 Uhr im Hotel uns über die Erlebnisse der ersten 585 km und Allem was Hans Jürgen so passiert ist, bei mehreren Bieren ausgetauscht.

Nach einem erholsamen Schlaf von etwa 5 bis 6 Stunden ging die Klamottensortierei auf meinem Zimmer los. Ein Luxus, wenn ein Auto dabei ist, aber auch das Angebot ist gross und es wird nicht übersichtlicher. Dann bekamen wir ein Superfrühstück und um 9 Uhr gings weiter. Plan für den 31.7.21 135 km nach München und 135 km wieder zurück. Die fast nicht vorhandenen Hügel erwähne ich nicht. Aber die tolle und nette Kontrolle der Crew hinter München-Bogenhausen. Die Anfahrt und Abfahrt nach München ein grosses Erlebnis. Vegan fühlt den Bauch nicht so sehr und ist sehr bekömmlich.

In München wurden die One Way Fahrer beglückwünscht. Ich war noch gut in der Zeit, allerdings hatte kaum jemand so üppig, wie ich in Regensburg übernachtet, daher fuhr ich allein. Nach dem Wendepunkt in München nach 710 km kamen mir noch 20 Fahrer entgegen, für die persönliche Motivation auch wichtig. Von den 20 haben wohl 2/3 nur One way gefahren. Niemanden traf ich wieder. Waren wohl auch die geschätzt knapp 10 Prozent dabei, die wegen Regen, Bergen und allgemeiner Überforderung oder auch realistischer Einschätzung der Kräfte aufgaben.

Das ist jetzt mal das einzige Regenbild. Ab dem 1.8.21 ab Regenburg nach dem Frühstück war der Regen ein regelmäßiger Begleiter. Ich komme damit gut zurecht, da ich mal wieder alle Probleme wie Nässe, keine Kraft, Dunkelheit, Unsicherheit und aufkommender Respekt mir schön geredet habe (das heißt ignoriert), auch um die erforderliche Motivation, Ruhe, die Fokussierung und die Konzentration zu behalten.

Ab Regensburg bei 300 weiteren Kilometern wollte ich gerne im Erzgebirge übernachten. Dort kam ich am 2.8.21 morgens um 5 Uhr an, nachdem ich in der Nacht bei Klingental mir mühsam ein USB-Kabel beim IFA Hotel erfragte, ich im Dauerregen in einer Holzhütte sass und den ersten Teil von 19 Anstiegen im Erzgebirge abfuhr. Kurz vor dem Hotel ging es endlos durch Aue, kilometerlang über Schotterwege, die Etappe nahm kein Ende, ebenso wie die Anstiege. Im Hotel hatte Hans Jürgen den Abend schön mit dem Wirt, zu DDR Zeiten ein gedopter Schwimmer verbracht. Ich schlief 3 Stunden und dann gab es zum 3. Mal ein Riesenfrühstück.

Zum Start zu den letzten 360 km bis Berlin, die ich in etwa 24 Stunden schaffen wollte, brach ich am 2.8.21 um 11 Uhr auf. Begrüßt durch Regen, stieg ich mit Socken in Plastiktüten, die ich in blau verklebte. Ab Zschopau wurde es trockener. Die Tüten mussten auch weg, wer weiss, was da sonst zu wenig Luft bekommt….

Die restlichen Anstiege im Erzgebirge durch Grünhainichen und andere Orte waren sehr ordentlich und so langsam war die „Ebene“ ab Freiberg und Dresden in Sicht. Richtig voran kam man nicht wirklich. Für die ersten 30 km am Morgen brauchte ich 2,5 Stunden.

Die Strecke hatte der Veranstalter über Komoot abgefahren, ich hatte die Abschnitte auf ein Garmin Edge 1030 runtergeladen und war über Garmin Connect und Whats App mit Family und Hans Jürgen verbunden. Jede Nachricht erschien auf dem Garmin, tolle Motivation. Besonders als mein Sohn Brian mir signalisierte, der „schwierige hügelige“ Teil sei vorbei. Da musste ich auch dank der tollen Unterstützung erstmal eine Träne verdrücken. Die Emotionen begleiten einen bei einer solchen Tour sehr. Gegen 17 Uhr erreichte ich Dresden. Leider waren auf der Rückfahrt alle Kontrollen schon aufgelöst, da die Crew nicht die Kapazitäten hatte noch auf jeden zu warten.

Was Alles eine Reise noch wert ist, sieht man unterwegs. Vieles speichert man ab und hofft dort dem noch mal später einen Besuch abstatten zu können.Ab Dresden ging es auf den Elberadweg 160 km bis Wittenberge. Bis um 21 Uhr die Sohne unterging und ich noch Dampfer und Meissen sah, war alles okay. Dann kam ein Motivationsloch, da alles gleich aussah und niemand unterwegs war. Dieses Loch, dass ich von jeder Tour kenne, hielt bis Mitternacht an.
Da traf ich noch zwei Mitfahrer, die auf einer Bank ruhten und wir fuhren zu Dritt bis Wittenberge, wo wir gegen 2.15 Uhr am 30.8.21 ankamen. Die Unterhaltung „frisst“ Zeit und so war der Treff ein großes Glück.
Beide wollten in Wittenberge „ruhen“, ich fuhr weiter und schlief dann ab 3 Uhr bis 4.15 Uhr in einer Bushaltestelle, angekleidet und mit Helm auf dem Kopf. Das war nötig und so genoss ich die Zeit bis zum Sonnenaufgang um kurz vor 6 Uhr ca. 60 km vor Berlin.

So sah mich die Familie unterwegs, ein blauer Punkt auf der Karte. Gegen 9.15 Uhr hatte ich mich ins Ziel Berlin „gequält“. Locker im Zeitlimit bis 16 Uhr und niemand war da.

Hans Jürgen hatte nicht so früh mit mir gerechnet und die Veranstalter luden Abends in einen Club in Ostberlin zur Medaillenübergabe ein. Ich schlief 3 Stunden-………

Und dann war ein Erholungstag mit vielen Leckereien wie Eis, Cappucino, Bier, Macarons, Frikadelle etc….. angesagt. Mensch was hatte ich ein Glück gehabt, das alles geklappt hat.
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